Filmkritikwettbewerb

Die Jury hat getagt

Meckern erlaubt, Lob auch! - unter diesem Motto fand im Rahmen der SchulKinoWochen NRW erneut der Filmkritikwettbewerb statt. Die Schülerinnen und Schüler konnten zu dem Film, den sie bei den SchulKinoWochen NRW gesehen hatten, eine Filmkritik schreiben und diese bei spinxx.de, dem Online-Portal für junge Medienkritik, einreichen.

Etwa 50 Kritiken wurden von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Schulformen und Altersgruppen eingereicht.

Die Jury hatte die nicht leichte Aufgabe, aus den vielen guten Kritiken die Preisträgerinnen und Preisträger zu benennen. Dabei konnten vier Preise und ein Sonderpreis verteilt werden. Die Jury bedankt sich herzlich für alle eingereichten Kritiken und würde sich sehr freuen, wenn auch im nächsten Jahr wieder viele Schülerinnen und Schüler mitmachen.

 

Der Besuch des spinxx-Kritikergipfels geht an:

Lena H. von der Europaschule Troisdorf in Troisdorf für ihre Kritik zu dem Film „Wunder“

Begründung der Jury:

Eine gute Kritik lässt den Film noch einmal vor dem inneren Auge ablaufen und fügt dabei im besten Fall noch Gesichtspunkte hinzu, die den Blick erweitern. Genau dies schafft Lena mit ihrem Beitrag zu „Wunder“, in dem sie sich nicht allein auf das Schicksal der Hauptfigur Auggie Pullman konzentriert, sondern sehr sorgfältig und strukturiert herausarbeitet, wie dessen Erkrankung sein gesamtes, insbesondere familiäres Umfeld tangiert. Darüber hinaus gelingt es Lena, die Gefühlslagen des Films präzise zu benennen und eine eindringliche Empfehlung zur Empathie auszusprechen. Dem können wir uns nur anschließen!

Die Kritik von Lena
"Der Film „Wunder“ handelt von dem Leben eines kleinen Jungen, der mit einer Gesichtsdeformation geboren wurde.Der kleine Auggie Pullman wurde bisher immer zuhause von seiner Mutter unterrichtet, sodass er nicht in eine Schule gehen musste. Doch das ändert sich nun und ein neues Kapitel im Leben des Jungen beginnt. Zu Anfang hat er sehr zu kämpfen und große Schwierigkeiten, sich in der Schule einzuleben. Als dann aber ein Schüler die Barriere bricht und sich mit Auggie anfreundet, ändert sich Auggies Leben und das der gesamten Schule.
Auggie lebt mit seinen Eltern und seiner großen Schwester Via in Manhattan, New York. Seine Eltern tun ihr Bestes, um ihrem Sohn die Qualen des echten Lebens zu ersparen und unterrichten ihn zuhause und zwingen ihn nicht, oft in die Öffentlichkeit zu gehen. Via liebt ihren Bruder über alles, was sie ihm immer wieder zeigt, und möchte ihn auch vor dem Schlechten der Welt schützen, sie fühlt sich dabei jedoch von ihren Eltern vernachlässigt. Das zeigt sie aber nie offen, sondern ist sehr verständnisvoll. Auch noch als ihre eigene Welt immer mehr zusammen bricht, weil sie von ihrer besten Freundin Miranda abgewiesen wird.
Auggie geht zur Schule und findet dort nach Schwierigkeiten Anschluss. Seine neuen Freunde Summer und Jack stehen ihm zur Seite, verteidigen ihn vor dem Mitschüler Julian, der Auggie auf sehr heftige und ernste Weise mobbt, und stehen für ihn ein. Die Eltern des Jungen bemerken bald, dass ihr Sohn sich sehr gut in der neuen Welt zurechtfindet. Sie schauen stolz dabei zu, wie Auggie aufblüht, sich nicht mehr verstecken will und sich seinem Handicap nicht mehr allzu bewusst zu sein scheint.
Vias Leben verändert sich währenddessen stark. Sie ist gezwungen neuen Anschluss zu finden, nachdem ihre ehemals beste Freundin sie ablehnt. Als sie Justin, einen Jungen auf ihrer Schule, kennenlernt, entscheidet die Teenagerin sich dazu, neue Dinge zu probieren wie Theaterspielen. Dabei blüht sie richtig auf, auch wenn sie dort auf Miranda trifft, und entwickelt Gefühle für Justin. Das hilft dem Mädchen aus ihrem Loch heraus und sie findet wieder Spaß an ihrem Leben.
Die gesamte Familie Pullman profitiert von der Veränderung und ihre Familienbeziehung verbessert sich erheblich.
Der Film „Wunder“ hat mir sehr gut gefallen, da er einen bewegt und zum Nachdenken anregt.Die Filmproduzenten haben es geschafft, die ganze Situation der Familie realistisch zu vermitteln. Dabei haben sie keinen Part vergessen, weil es nicht nur um den behinderten Jungen geht, sondern auch die Perspektive seiner Schwester berücksichtigt wird, die leicht hätte untergehen können.
Wenn man den Filmtrailer sieht, denkt man erst nur an den behinderten Jungen und sein Schicksal. Jedoch bedenkt man dabei nicht, dass davon noch ganz viele andere Menschen betroffen sind. Dass genau an diese Menschen gedacht wird, finde ich bei dem Film sehr beeindruckend und schön.
Außerdem ist der Humor nicht zu kurz gekommen, auch wenn ein sehr ernstes Thema behandelt wurde. Damit wurde gezeigt, dass aus jedem Moment, so schrecklich er auch scheint, etwas Gutes mitgenommen werden kann.
Meiner Meinung nach ist das Verhältnis zwischen Humor und Ernsthaftigkeit sehr passend, um den Film perfekt zu machen. Mit dem Humor wurden die ernsten Situationen etwas abgemildert, mit den verschieden Blickwinkeln auf das Geschehen wurde deutlich, dass so viel mehr hinter einer einzigen behinderten Person steckt und genau deswegen ist der Film so gut gelungen. Er regt dazu an, über sein Verhalten nachzudenken, appelliert an das Mitgefühl und Verständnis der Menschheit und sollte jedem, der diesen Film schaut, bewusst machen, dass es bedeutend schlimmere Schicksale als das eigene gibt.
Fazit:
Die Geschichte des kleinen Auggie Pullman, der einfach nur in die Schule geht, ist besonders, außergewöhnlich und bewegend und unbedingt einen Gang ins Kino wert. Von Humor bis zu ernstem Nachdenken ist alles dabei, was man sich keinesfalls entgehen lassen sollte."

 

Der Kinobesuch für die ganze Klasse mit einem Gast aus dem Filmteam geht an:

Den Filmkurs der Gesamtschule Niederkassel für ihre Kritik zu dem Film „Love, Simon“

Begründung der Jury:

Gleich ein ganzer Filmkurs hat sich mit diesem amerikanischen Highschool-Film „Love, Simon“ beschäftigt und dabei eine klare Erkenntnis gewonnen: Wir sind alle gleich und brauchen Toleranz. Dabei ist es den Filmenthusiasten mit Ihrer Kritik gelungen, über die teilweise lapidare Handlung der „Highschool-Komödie“ hinauszublicken, und besondere, filmische Gestaltungsmittel, wie die Arbeit mit Farben zu verfolgen und die interessanten Nebendarsteller des Films zu würdigen. Vor allem die Nebenfigur der Theaterlehrerin Ms. Albright hat es dem Kurs angetan, denn ihre Rolle passt zum festgestellten Thema des Films: Keine Hemmungen haben, zu einer Meinung, oder auch Haltung zu stehen. Kompliment!

Die Kritik des Filmkurses
-„Ich bin genau wie du…“ ?!
Der Jugendfilm „Love, Simon“ stellt eine wichtige Frage: Was ist schon normal?
Der 17-jährige Simon ist ein ganz normaler Teenager mit Hobbys und tollen Freunden, dessen liebevolle Familie einer amerikanischen Vorzeige-Familie gleicht. Allerdings hat Simon ein Geheimnis: Er ist schwul und traut sich nicht, dies jemandem zu erzählen, weder seinen Freunden noch seiner Familie und schon gar nicht der Öffentlichkeit. Eines Tages outet sich ein Junge mit dem Account-Namen „Blue“ auf dem Online-Blog der Schule. Als Simon seinen Post liest, beginnt er unter einem falschen Namen mit „Blue“ Mails zu schreiben. „Blue“ ist die erste Person, der sich Simon anvertraut und verliebt sich in ihn.

Wer ist „Blue“ eigentlich? Diese Frage zieht sich als roter Faden durch die gesamte Geschichte. In einigen Szenen mit geheimnisvollem Blaustich, sieht man, wie sich Simon einige seiner Mitschüler als „Blue“ vorstellt, der am Computer sitzt und Mails schreibt. Auch einzelne Details, die Simon während des Films über „Blue“ erfährt, halten den Spannungsfaktor hoch. Wie Simon sucht man auch als Zuschauer nach „Blue“. Genauso nahe gehen einem aber auch die Momente, in welchen Simon Angst vor dem Coming-Out hat. Hierbei lernt man, wie schwer es sein kann, in einer Welt zu leben, in der noch viele Vorurteile gegen Homosexualität bestehen.
Im Film ist aber nicht nur Simon auf der Suche nach der Liebe. Auch seine besten Freunde Leah, Abby und Nick sowie der nervige Morton geben alles, um bei ihrem Schwarm zu landen.
Wer eine amerikanische Highschool-Komödie erwartet, darf sich freuen: Simons Geschichte ist berührend, spannend und witzig. „Love, Simon“ hat aber auch noch mehr zu bieten, denn der Film regt zum Nachdenken an. Gemeinsam mit Simon stellt man sich als Zuschauer die Frage nach Normalität, Werten und welche Rolle dabei Themen wie Sexualität, Coming-Out und Soziale Medien spielen.
Dabei enthält der Film eine entscheidende Nachricht: Wir sind alle gleich und brauchen Toleranz. Die eigene sexuelle Neigung zu entdecken und sich zu dieser zu bekennen, ist Teil unserer persönlichen Selbstfindung.
Ein weiterer Grund, warum man sich diesen Film ansehen sollte, ist die Botschaft, dass echte Freundschaft jede schwierige Phase überstehen kann.
Außerdem lebt der Film von interessanten Nebencharakteren, wie zum Beispiel Simons Theaterlehrerin Ms. Albright (gespielt von Natasha Rothwell), die keine Hemmungen hat, ihre Meinung zu sagen und dafür einzutreten.
Fazit:
Der 17-jährige Simon ist bei seinen Mitschülern beliebt, hat tolle Freunde und eine liebevolle Familie. Aber er hat auch ein Geheimnis: Simon ist schwul. „Love, Simon“ ist für alle zu empfehlen, die etwas über Toleranz erfahren wollen und die auf der Suche nach sich selbst, der eigenen Sexualität und Liebe sind. -

 

Der Workshop mit einem Stuntman für die gesamte Klasse geht an:

Cedric und Johann von der Christian-Morgenstern-Schule aus Ratingen zu dem Film „Wall-E“

Begründung der Jury:

Diese Kritik von Cedric und Johann zeigte uns aufs schönste, dass es auch ohne umständlich-ausschweifende Textergüsse geht. Eine schön durchdachte, präzise formulierte Filmkritik, die den „witzigen, traurigen, etwas romantischen und natürlich spannenden“ Animationsfilm wunderbar auf den Punkt bringt. Diesen Text darf man sich gerne an die Wand hängen als Erinnerung, dass es bei einer Filmkritik nicht auf die Anzahl der Zeichen, sondern auf die Wahl der Worte ankommt.  Glückwunsch!

Die Kritik von Cedric und Johann
"Wall-E ist ein Animationsfilm über einen kleinen Roboter, der eine Freundin findet.
Wall-E ist der letzte Roboter auf der Erde und räumt den Müll weg. Die Menschen haben die Welt verschmutzt und sind faul im Weltraum, weit weg von der Erde. Eines Tages kommt eine von den Menschen geschickte Raumsonde, um zu gucken, ob auf der Erde wieder Leben möglich ist. In der Raumsonde ist eine Androidin mit dem Namen Eve. Wall-E freundet sich mit Eve an und erlebt ein spannendes Abenteuer mit ihr.
Wir fanden den Film witzig, traurig, etwas romantisch und natürlich spannend zugleich. Für uns war es witzig, als der Captain sagte: „Es gibt viele Pflanzen, zum Beispiel Gemüse- und Pizzapflanzen." Die Szene, wo Wall-E mit Eve alleine im Weltall ist, fanden wir etwas romantisch. Manche Szenen waren traurig. Wie schon gesagt, ist es eigentlich die ganze Zeit auch spannend.
Wir finden es toll, dass man aus dem Film lernt, dass man nicht zu viel Müll produzieren soll. Man sollte mehr auf den Umweltschutz achten, weil es sonst vielleicht in ein paar hundert Jahren bei uns so wie im Film aussieht.
Fazit:
Der Film ist für Leute, die gerne einen spannenden Film über Freundschaft mögen. Er zeigt, wie wichtig es ist, auf die Umwelt zu achten."

 

Ein DVD-Paket zu Filmen aus dem Programm zum Wissenschaftsjahr geht an:

Alexander L. vom Neuen Gymnasium Bochum aus Bochum für seine Kritik zu „Das schönste Mädchen der Welt“

Begründung der Jury:

Alexander aus Bochum schreibt eine der ausführlichsten Rezensionen des Wettbewerbs - und wir haben jede Zeile sehr gerne gelesen! Sprachlich geschliffen und mit einer starken inhaltlichen Analyse geht der 15-Jährige vor allem auf die Machart des Films ein. Denn „Das schönste Mädchen der Welt“ von Regisseur Aaron Lehmann ist eine Adaption von „Cyrano de Bergerac“ - dem Weltklassiker über die tragische Figur des gleichnamigen französischen Schriftstellers aus dem 17 Jahrhundert. Oft verfilmt, als Oper oder Ballett inszeniert, haben sich schon viele Künstler an das Werk getraut. Alexander analysiert nun Aaron Lehmanns Umsetzung des Dramas in Form einer Teenagerkomödie und vergleicht sie mit Edmond Rostands berühmter Verfilmung (Gérard Depardieu). Dabei findet er sowohl positive als auch kritische Aspekte und lässt bei seiner fachlichen Untersuchung nichts aus: Figuren, Storytelling, Locations, die Verwendung von Musik, die eingesetzte Bildsprache und eingearbeiteten Effekte. Er lässt sein beeindruckendes Kontextwissen genauso wie seine Freude am Detail mit einfließen. Nachdem er auf diese Weise „Das schönste Mädchen der Welt“ seziert und wieder zusammengesetzt hat, endet er mit einem klasse Teaser. Spätestens jetzt will jede und jeder diesen Film sehen! Denn seine Freude an Aaron Lehmanns berührender Liebeskomödie spricht aus seinem Text und steckt den Leser an. Alexanders  Gesamturteil: sehr gelungen! Und so lautet auch die Meinung der Jury über diese hervorragende Rezension. Danke!

Die Kritik von Alexander
"Moderner Klassiker mit viel Musik, tollen Locations und coolen Typen gefällig?
„Das schönste Mädchen der Welt“ des Regisseurs Aron Lehmann ist eine sehr gut gelungene Adaption des aus Frankreich kommenden weltbekannten Dramas „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand.

Doch anders als bei vielen Adaptionen von anderen Klassikern ist der grobe Handlungsverlauf unverändert, wodurch die Gesamthandlung immer noch die gleiche Botschaft wie im bewegenden Original überbringt. So werden Cyranos Dichterkünste zu Cyrils Rap- und Poetry-Slam-Kompetenzen, die Smartphone-Affinität der heutigen Jugend ist für den Verlauf der Handlung maßgeblich, aber auch Gegenstand ironischer Selbstreflexion.
Cyril, ein belesener Jugendlicher, wird auf Grund seiner zu großen Nase gemobbt. Doch als dann die neue Mitschülerin Roxane, genannt Roxy, in die Klasse kommt, wird alles anders. Die beiden verstehen sich auf Anhieb super gut. Roxy, die ein offensichtliches Faible für Außenseiter hat, sieht im Zimmer von Cyril eine Maske in den Händen von Rick, einem sehr dumm wirkenden Musiker, der ebenfalls in der Klasse von Cyril ein Außenseiter ist. Dadurch wird Rick in den Augen von Roxy direkt noch interessanter. Als dann diese Maske, diesmal von ihrem richtigen Besitzer Cyril, in einem Rap-Battle getragen wird, welches Cyril auch noch gewinnt, verliebt sich Roxy in den Rapper auf der Bühne. Problem ist nur, dass Rick gar nicht der wahre Rapper ist. Zu allem Überfluss verliebt sich auch noch Cyril in Roxy.
Doch nicht nur Rick und Cyril stehen auf Roxy; auch Ben, der Beliebte in der Klasse, möchte etwas von Roxy - er hat gewettet, dass er mit Roxy auf der Klassenfahrt, auf der alles passiert, schläft. Eine komplizierte Situation.
Diese Charaktere und Beziehungen werden von den Protagonisten überzeugend vermittelt: Aaron Hilmer bringt die Zerrissenheit des sprach- und musikbegabten Cyril mit optischer Auffälligkeit zwischen anonymem, gefeiertem Rapper mit Goldmaske und Mobbingopfer Nr. 1 in seiner Klasse einfühlsam herüber. Luna Wedler mit langer, blonder Engelsmähne, süßem Gesicht, großer Schlagfertigkeit und einer mythenumwobenen Vergangenheit nimmt man die Rolle des schönsten Mädchens der Welt während des kompletten Films ab. Und auch die restliche Besetzung der Klasse und der Lehrer, die teilweise aus der „Who´s Who“-Liste der deutschen YouTuber gecastet wurde, spielt die jeweilige Rolle natürlich und glaubhaft.
Die gesamte Stimmung des Liebesfilms wird durch die sehr gelungene Kameraführung betont. So wird zum Beispiel das Schreiben von Nachrichten zwischen Cyril und Roxy sehr geschickt dargestellt; die Nachrichten erscheinen neben der schreibenden Person, wodurch Mimik und Emotionen sehr gut deutlich werden. Außerdem ist bei vielen Szenen (meistens bei Liebesliedern) die Kameraführung ideal gelöst - hierbei wird zwischen Rick (bzw. Cyril) und Roxy gewechselt und dadurch eine romantische Stimmung erzeugt.
Der Film wirkt an manchen Stellen schon fast wie ein modernes Musical. Die meiste Zeit wird Musik verwendet, um Stellen zu betonen. Doch die Musik spielt nicht nur eine Nebenrolle – durch die selbst geschriebenen Liebes-Raps von Cyril wird ein zentrales Element des Films durch Musik betont.
Doch trotz des ganzen Lobs gibt es auch Szenen, die unangemessen sind und nicht in die Stimmung des Films passen. So wird die aufkommende Liebe von Cyril nach einem Rap-Battle überzogen und zu kitschig dargestellt, wodurch die coole Stimmung nach eben diesem Rap-Battle zerstört wird. Eine ähnliche Szene gibt es auch bei dem Besuch der Alten Nationalgalerie – auch hier wird die Liebe überzogen beschrieben.
Fazit:
Trotzdem ist der Film insgesamt sehr gelungen. Die Handlung des Klassikers wurde sehr gut auf die Gegenwart übertragen. Durch die vielen modernen Musikbeiträge wird der Film nur noch interessanter für Jugendliche. Doch nicht nur Jugendliche sollten „Das schönste Mädchen der Welt“ sehen; der Film ist für Interessierte jeden Alters geeignet, die offen für neue Adaptionen von Klassikern sind. So können Angehörige älterer Generationen sich an den eingestreuten bildlichen und intertextuellen Spitzfindigkeiten – z. B. an den DDR-Nostalgie-Artikeln in der Jugendherberge oder an der Erwähnung von Milli Vanilli – erfreuen. Und ob der Film genauso wie das Drama ausgeht, oder es vielleicht ein Happy End für Cyril gibt, kann man nur selbst herausfinden."

 

Der Preis „Spinxx-Kritik des Monats“ geht an Jason G. vom Georg-Simon-Ohm Berufskolleg für seine Kritik zu dem Film „Ballon“

Die Begründung der Jury:

Michael Bully Herbigs erste Regiearbeit im dramatischen Fach erzählt eine Fluchtgeschichte aus einer untergegangenen Welt. Wie aktuell das Thema des Films noch immer ist – beziehungsweise mehr als je zuvor – stellt Jason, Schüler eines Berufskollegs in Köln, in seiner vielschichtigen und detailreichen Kritik abschließend fest. Mit dieser Reflektionsleistung, die den Film verdientermaßen in einem größeren Kontext verortet, ragt sein Text unter vielen guten Kritiken noch einmal besonders heraus.

Die Kritik von Jason
"Michael Bully Herbig versucht sich zum ersten Mal an einem Thriller. Doch ob dieser auch ein Erfolg wird?
Eine neue Reise beginnt für Herbig mit „Ballon“ (2018) und einer alten Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Als Adaption von dem Buch „Schicksal Ballonflucht“ und als filmische Umsetzung von Disney hat die Geschichte der Strelzyks, wie sie über die Grenze fliehen, schon mehrmals für Aufmerksamkeit gesorgt. Herbig will keine einfache Neuverfilmung, sondern etwas Lehrreiches aus der Vergangenheit so authentisch wie möglich in heutigen Kinos zeigen. Zusammen mit den Drehbuchautoren Kit Hopkins und Tilo Röscheisen begibt sich Herbig in eine jahrelange Recherche, um das zu ermöglichen, was wir heute auf der Leinwand sehen können. Bis ins kleinste Detail wird versucht eine authentische Veranschaulichung zu realisieren. Fahrzeuge, Häuser, Inneneinrichtungen und Keller werden dem Original nachempfunden. Selbst Glühbirnen aus der DDR kommen zum Einsatz, um das grünlich-gelbe Licht zu imitieren.
„Ballon“ bietet einen Blick in die DDR, die von 1949 bis 1990 bestand, aus der Sicht der Strelzyks und Wetzels. Die beiden Väter der Familien, Peter Strelzyk (Friedrich Mücke) und Günter Wetzel (David Kross), fassen den Entschluss, zusammen mit ihren Frauen und vier Kindern mit Hilfe eines Heißluftballons (originalgetreu nachgebaut, 30m Höhe) in den Westen zu fliehen. Im Sommer 1979 ist es soweit, doch der Versuch scheitert, der Ballon saugt sich mit dem Regenwasser einer Wolke voll und stürzt inmitten von Bäumen ab. In diesem verhängnisvollen Unglück vermittelt Bully Herbig gekonnt den inneren Tumult der Familien. Eine nahe Kameraführung und ein dynamischer Schnitt werden begleitet von selten stillstehenden Bildern. Ein dumpfes Schlagen im Hintergrund wird als Puls wahrgenommen, der sich manchmal mit dem eigenen deckt. Dadurch ist es an manchen Stellen so, als würde der Puls der Familien den eigenen Puls verfolgen und antreiben, was die Spannung stark erhöht. Gesucht von der Polizei beschließen die Familien eine zweite Flucht. Sie müssen nun noch effektiver und schneller arbeiten, ehe die Regierung ihnen auf die Schliche kommt.

Obwohl man vermuten kann, dass die Flucht erfolgt, suggerieren die parallelen Handlungsstränge zwischen Stasi und den Familien unbemerkt immer wieder das Scheitern der Flucht. Mit jeder Sekunde, die sich die Flüchtenden und die Polizei näher kommen, steigt der Spannungsbogen, der es Unwissenden lange Zeit offen hält, ob die Flucht überhaupt gelingt. Unter einer Regierung, wo selbst das Gespräch eines kleinen Jungen mit seiner Erzieherin im Kindergarten zur Denunziation führen kann, beklemmt einen das Gefühl einer ständigen Bedrohung. Besonders starken Eindruck hinterlassen Charaktere wie Thomas Kretschmann, der in „Ballon“ als Teil der Stasi sehr verbissen nach den Flüchtlingen sucht, 1983 aber selber aus der DDR geflüchtet ist.
Herbig bedient sich häufig visueller Sprache, wie dem Blick aus dem Hotelfenster auf West Berlin, wo aber nur das Hotel gezeigt wird, mit der Spiegelung der Stadt im Fenster, während die Familie dahinter steht. Bilder wie diese verdeutlichen immer wieder, wie eingesperrt die Familien sich fühlen müssen. Diese Konsequenz durch alle Ebenen lässt Herbigs Einstieg in ein neues Genre sehr seriös wirken. Keine der abgedrehten Albernheiten, die Filme wie „Der Schuh des Manitu“ so erfolgreich gemacht haben, sind in „Ballon“ enthalten. Herbig nimmt seine Figuren und die Geschichte ernst. So schafft er einen überzeugenden Geschichtsfilm und eine Erzählung von zwei Familien, die alles für die Freiheit riskierten. Die erfundene Liebesgeschichte stört jedoch den Sog des Films. Sie bringt die Familie zur verfrühten Flucht. Wenn sie diese nicht umgesetzt hätte, wäre sie geschnappt worden. Dadurch basiert der springende Punkt, ob die Familien ihre Freiheit erreichen oder nicht, auf einer erfundenen Geschichte, in einem Film, der eigentlich auf einer wahren Begebenheit basiert.

Fazit:
Trotz allem hat mich der Film beeindruckt. Die Frage des Bayers in Oberfranken „Wie viele kommen denn da noch?“ erinnert mich an die Flüchtlingspolitik in unserem heutigen Deutschland. Wie gehen wir damit um, wenn Menschen für ihre Freiheit zu Flüchtlingen werden? Wir sollten uns daran erinnern, dass auch viele Deutsche vor einigen Jahren noch geflohen sind, da sie keine Zukunft mehr sahen. Ich empfehle jedem diesen Film, da er sich angemessen mit einer wichtigen Zeit auseinander setzt, von der unsere heutige Welt sehr geprägt ist."

Dieser Kritikwettbewerb wird ausgeschrieben von: