check-circle Created with Sketch. Transkript anzeigen Abspielen Pausieren

Filmkritikwettbewerb

Die Jury hat getagt!

Zusammen mit SPINXX, dem Magazin für junge Filmkritik, und VISION KINO haben wir Euch in diesem Jahr wieder dazu eingeladen, an unserem Filmkritikwettbewerb teilzunehmen.

Nun hat die Jury getagt und wir freuen uns, die Preisträgerinnen und Preisträger bekannt zu geben.

Eine Schultafel mit fünf gelben Sternen, von denen drei ausgemalt sind.

Die Preisträgerinnen und Preisträger des Filmkritikwettbewerbs 2022

Zahlreiche Kritiken wurden von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Schulformen und Altersgruppen eingereicht.

Die Jury hatte die nicht leichte Aufgabe, aus den vielen guten Kritiken die Preisträgerinnen und Preisträger zu benennen. Dabei konnten drei Preise verteilt werden. Die Jury bedankt sich herzlich für alle eingereichten Kritiken und würde sich sehr freuen, wenn auch im nächsten Jahr wieder viele Schülerinnen und Schüler mitmachen.

 

Kritiken und Jurybegründungen

Kritik zu "Gott, du kannst ein Arsch sein!"

Saskia gewinnt zwei Plätze für das Kritikerinnen-und-Kritiker-Camp „Spinxx goes Festival: Cinepänz“.

Begründung der Jury

Mit ihrer Kritik zu „Gott, du kannst ein Arsch sein!“ arbeitet Saskia eine der wichtigsten Funktionen einer (positiven) Filmkritik heraus: Lust auf den besprochenen Film zu machen. Dies erreicht sie durch eine direkte und klare Ansprache sowie mitreißende Formulierungen. Voller Elan nimmt sie das Tempo des Films auf, gibt eine reflektierte Einordnung ins Genre (und dessen Gesetzmäßigkeiten) und findet die passenden Worte für die tragikomische Entwicklung des Filmplots. Nicht zuletzt aufgrund ihres jungen Alters finden wir die Filmkritik von Saskia sehr überzeugend und freuen uns, sie als eine der besten dieses Jahrgangs auszuzeichnen.
 

Die Kritik von Saskia

Stell dir vor du hast gerade deinen Abschluss in der Tasche, willst voll mit deinem Leben und deiner Ausbildung zur Polizistin loslegen und dann stellt dir Gott ein Bein und du hast ein Hirnkazinom, das unheilbar ist?! Klar sagst du dir dann: "Gott du kannst ein Arsch sein!"

Steffi hats geschafft!!! Abschluss in der Tasche und ihre Ausbildung zur Polizistin soll bald losgehen. Doch dann stimmt was nicht beim Gesundheitscheck und sie erfährt, dass sie einen unheilbaren Hirntumor hat und wohl nicht mehr lange leben wird. Ihre Eltern sind dafür, sofort mit der Chemotherapie zu beginnen. Aber Steffi hat eigentlich ganz andere Pläne. Sie will auf der Abschlussfahrt mit ihrem Freund die lange geplante erste Nacht miteinander verbringen. Doch die Eltern verbieten ihr die Mitfahrt. Also packt Steffi ihre sieben Sachen, schnappt sich den alten Pick-up, den ihr Vater ihr geschenkt hat, und fährt mit Hilfe von Steve, einem coolen Zirkustypen, nach Paris. Ihre Eltern reisen hinterher. Steve und Steffi lernen sich auf der Fahrt langsam kennen. Und merken, dass ihre beiden Geschichten irgendwie zusammenpassen und so erleben sie das, was ihnen am meisten am Leben fehlen würde, gemeinsam schätzen.

Der Film ist ein typischer Roadmovie, mit der typischen Tankstellenszene oder dem obligatorischen erschlichenen Hotelzimmer. Die Eltern reagieren eher klischeehaft und oberflächlich auf die Diagnose ihres Kindes. Bishin zur Glaubenskrise des pastoralen Vaters. Trotzdem wird die Geschichte von Steffi nicht langweilig, weil man mitfühlend mit ihr und Steve auf die Reise nach Paris geht. Manchmal traurig, manchmal lustig manchmal tiefsinnig, macht es dem Zuschauer den inneren Konflikt einer 17-Jährigen klar, die erfährt, dass sie bald sterben wird.

Der Film zeigt eindeutig und gut den Umgang mit den Themen Tod und Sterben und den Wunsch danach, noch etwas davor erleben und leben zu wollen.

Kritik zu "Willi und die Wunderkröte"

Nike gewinnt einen Kinobesuch für die ganze Klasse im Rahmen der SchulKinoWochen NRW 2023 mit Begleitung eines Filmschaffenden.

Begründung der Jury

Nikes Kritik zu „Willi und die Wunderkröte“ hat uns insbesondere stilistisch angesprochen: Der spannungsgeladene Teaser erweckt Neugier bei den Leserinnen und Lesern, inhaltlich bringt sie den Film auf den Punkt und hält dabei durchgehend ein sprachlich hohes Niveau – vor allem in Anbetracht ihres jungen Alters eine beeindruckende Leistung. Auch wenn der Analysepart vergleichsweise schmal ausfällt, so überzeugt dennoch der klare und in sich runde Text, dessen abschließendes Fazit ihre positive Wertung anschaulich begründet und die (mehr als aktuellen) Themen des Films eindrücklich reflektiert. Herzlichen Glückwunsch!
 

Die Kritik von Nike

Wie stellen Kröten ihre eigene Sonnencreme her? Wieso will Bürgermeister Huber Lunas Teich zuschütten? Und warum träumt Willi immer wieder von der Wunderkröte?

Lunas Freund Willi kommt aus dem Urlaub zurück. Sie zeigt ihm stolz ihren Teich und ihre FROSCHungsstation. Dort leben ganz viele Kröten. Danach besucht Luna mit Willi ihre Oma und entdeckt dort ein Buch über die Wunderkröte "Bufo Magicus". Willi findet, dass die Kröte aussieht wie Lunas Oma. In der folgenden Nacht träumt er von der Wunderkröte. Am nächsten Morgen liegen ein Flugticket und eine seltsame Statue in seinem Zimmer. Leider darf Luna nicht mitkommen, sodass sich Willi alleine auf die Reise machen muss. Er kommt unterwegs an einzigartigen Orten vorbei, lernt viel über Frösche und findet die Bedeutung der Statue heraus.
Währenddessen versucht Luna vergeblich zu verhindern, dass Bürgermeister Huber ihren Teich zuschüttet. Natürlich sucht Luna sofort ein neues Zuhause für die Kröten: ihr Kinderzimmer und die Badewanne. Aber dort können sie nicht bleiben. Mit der Hilfe von Kindern, die Lunas Blogg gelesen und ihre Videos gesehen haben, findet sie einen neuen Teich für die Tiere. Der Bürgermeister versucht, das zu verhindern, und macht eine Abstimmung im Dorf, ob der Teich bleiben darf. Leider gibt es nur eine Stimme dafür. Doch dann kommt Willi und überzeugt alle mit einem Video von seiner Reise, das zeigt wie wunderbar und wichtig Frösche sind. Ende gut - alles gut!

Eigentlich möchte Willi nur Luna besuchen, aber plötzlich findet er ein Flugticket und schon beginnt die abenteuerliche Reise in die Wüste, den Regenwald und an andere Orte, um herauszufinden, wie man Frösche rettet. "Willi und die Wunderkröte" ist cool! Tierwissen, Magie und Naturschutz in einem Film, der Mut macht, sich gegen Ungerechtigkeiten zu wehren!

Kritik zu "Niemals Selten Manchmal Immer"

Sefu gewinnt dreimal zwei Tickets für die Filmpalette in Köln.

Begründung der Jury

In dieser ausführlichen Rezension zu „Niemals Selten Manchmal Immer“ arbeitet Sefu bestens fundiert und aus vielfältigen Blickwinkeln betrachtet die Bedeutung und die Wirkung des Films heraus. Besonders die zusätzlich recherchierten Informationen zur Besetzung und dem Realitätsbezug des Films untermauern effektiv das Fazit, der Film habe eine große politische Relevanz und eine „starke Botschaft“. Trotzdem bleibt Sefu kritisch und belegt nachvollziehbar, welche Stärken und Schwächen der Film aufweist. In dieser Argumentation demonstriert er ein beeindruckendes Wissen der filmsprachlichen Mittel und geht im nächsten Schritt präzise auf deren Wirkung ein. Formell kann die Rezension zwar noch einen Feinschliff benötigen, aber durch die starken Inhalte und eine reflektierte, facettenreiche Beurteilung bietet sie dem Leser ohne Zweifel einen großen Mehrwert.
 

Die Kritik von Sefu

„Niemals Selten Manchmal Immer“ ist ein US-amerikanisches Drama von Eliza Hittman aus dem Jahr 2020. In der Hauptrolle spielen die beiden jungen Schauspielerinnen Sidney Flanigan und Talia Ryder.

In dem Film geht es um das 17-jährige Mädchen Autumn, die ungewollt schwanger wird. Sie traut sich aber nicht, mit ihren Eltern darüber zu reden. Nur ihrer Cousine Skylar vertraut sie sich an. Zusammen reisen sie nach New York, um die Abtreibung durchzuführen, die in Pennsylvania nicht erlaubt ist. In New York bekommen sie viele Probleme, da sie nicht viel Geld und keine richtige Unterkunft haben.

Die beiden Schauspielerinnen haben eine sehr starke und überzeugende Leistung abgeliefert, wenn man bedenkt, dass es deren erste Rollen überhaupt sind. Ich habe mich immer in deren Situation hineinversetzen können, vor allem in Autumns. Auch die Nebenfiguren funktionieren wunderbar. Wie die Beraterin Autumn unangenehme Fragen gestellt hat, z.B. über Ihr Sexualleben oder Misshandlungen. Gespielt wurde sie übrigens von einer echten Beraterin. Der Film spricht das Thema Abtreibung an und wie schwer es ist, eine Abtreibung durchzuführen, vor allem für die jungen Mädchen oder auch generell Frauen, die ungewollt schwanger sind. Um die Abtreibung durchzuführen, müssen sie eine weite Reise auf sich nehmen. Dies geht jeder 5. Frau aus den USA so, die eine Abtreibung durchführen will. Die beiden großen Fragen des Themas Abtreibung sind, ob man das Embryo schon so früh als Mensch oder Lebewesen bezeichnen kann. Und ob man durch dieses Gesetz (Abtreibung ist verboten) nicht die Freiheit der Frauen außen vorlässt, dass sie gegen ihren Willen ein Kind aufziehen müssen. Es ist eine schwere Frage, die nicht leicht zu beantworten ist, und jeder hat dazu seine eigene Meinung. Der Film nimmt eine ganz besondere Position zu dieser Thematik ein, weil die Hauptfigur Autumn selber bestimmen darf, was mit ihrem “Kind“ passiert, und man erfährt auch nicht von Anfang bis Ende, wer der Vater ist. Deswegen will der Film die Freiheit der Protagonistin beschützen, sodass sie kein Kind auf die Welt bringen muss,
für das sie moralisch verantwortlich gemacht wird, sowohl politisch als auch gesellschaftlich. Regie führt Eliza Hittman und sie schrieb auch das Drehbuch selbst. Kamera führt die Französin Hélène Louvart, bekannt für „Beach Rats“
und „Murina“. Der Film wurde auf 16-Millimeter-Film gedreht, das zeigt auch, warum der Film sich wie eine Dokumentation anfühlt. Die Kamera ist nah an den Figuren, es wird viel Handkamera verwendet, die auch gerne mal für ein paar Minuten mehr draufhält. Es muss nicht mal viel gesprochen werden und trotzdem fühlen wir mit der Figur mit. Manchmal ist es unangenehm zu zuschauen, vor allem wenn der Film größtenteils auf Musik verzichtet. Die Musik und vor allem der Atmo-Ton wird sehr bedacht eingesetzt von Julia Holter („Bleed for This“). Der Schnitt passt zur Art des Film und des ganzen Themas. Er wirkt nie hektisch, sondern passt sich der Geschwindigkeit der Erzählung an.

Wer den Trailer gesehen hat und ein packendes, spannendes Drama erwartet, wird, denke ich, nicht ganz zufrieden sein. Zumindest war das leider mein Problem. Ich hatte eine andere Erwartung. Ich will nicht sagen, dass der Film schlecht ist, sondern, im Gegenteil, der Film hat eine starke Botschaft, eine gute Story und einen sehr gut ausgewählten Cast. Es ist aber kein Unterhaltungsfilm, wie man ihn gewöhnt ist. Es ist ein sehr, sehr langsamer Film, der den Zuschauer zum Nachdenken bringt. Der Film ist ab 6 Jahren freigegeben, ist aber nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet, finde ich, da er ein paar krasse Szenen beinhaltet, die leicht verstörend sein können für Kinder. Der Film ist aber lohnenswert und sollte auch von jedem gesehen werden, wenn man alt genug ist.

Tipps & Tricks

Der Einsendeschluss für dieses Jahr ist bereits verstrichen, wenn Ihr Euch aber für das nächste Jahr schon einmal fit machen wollt, was das Schreiben einer Filmkritik angeht, dann schaut doch mal bei den Spinxx-Kritikertipps vorbei!

Der Filmkritikwettbewerb wird ausgerichtet von: